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Heilkraft

Heilkraft

Heilkraft

 

Medikamente heilen die Seele über den Körper, Musik heilt den Körper über die Seele.

 

Diese Überzeugung hatten heilende Menschen im Alten Europa. Ärzte, Alchimisten und Weise Frauen – die oft wegen ihrer Erfolge als Hexen diffamiert wurden – nutzten die Möglichkeiten durch sanfte Musik, wie sie mit Laute und Viola da Gamba realisiert wurde. Mit ihr heilte man Unruhe, Verkrampfungen und Ängste der Seele und brachte sie wieder in Harmonie und Ausgeglichenheit.

 

Stille Musik enthält die Schlüssel zu einer natürlichen Gesundheit. Gesetze, Proportionen und universelle Muster, die Weise und Gelehrte in allen Bereichen des Kosmos entdeckten, nahmen Musikmeister als Grundlage ihrer lichtvollen Kompositionen. Im Weltall, in Blumen, im menschlichen Gesicht, in Landschaften - überall fand man die gleichen einfachen und klaren Zahlenverhältnisse verborgen, die „die Welt im Innersten zusammenhalten“. Sie wurden mit musikalischen Klängen hörbar gemacht.

Wie oben so unten lautete hierzu die einfache Formel der Alchimisten aus der geheimnisvollen Tabula Smaragdina.

 

Ludwig XIV., genannt „Der Sonnenkönig“, war Nutznießer dieser musiktherapeutischen Vorteile:

 

Oft soll er z.B. nach anstrengenden Festlichkeiten Schlafstörungen gehabt haben. Er soll dann – nicht selten mitten in der Nacht - seinen Hoflautenisten Robert de Visée ins Schlafgemach beordert haben. Visées Spiel brachte die Seele des geplagten Königs dann wieder in Harmonie und schenkte ihm die Gnade eines tiefen, entspannten Schlafes.

 

Eine andere Geschichte über die heilsame Wirkung Stiller Musik berichtet folgendes:

 

Einem Edelmann war durch die Einwirkungen eines bösartigen Königs seine Geliebte entrissen worden. Dieser Verlust betrübte ihn derartig, dass er über Jahre hinweg nicht mehr einschlafen konnte. Man behandelte ihn mit Medikamenten jeglicher Art, doch alle Versuche ihn zu heilen schlugen fehl. So versuchte man es mit einem besonders erfolgversprechenden Mittel: Man brachte ihn zu einem Wasserfall und ließ das beruhigende und reinigend-fließende Rauschen auf ihn einwirken – leider half auch das nicht, zu tief hatten sich die Wunden des Verrats und der Untreue in seine Seele hineingefressen. Nun griff man zum allerletzten und kraftvollsten Mittel: Man initiierte eine „gelinde Musik, von ferne sanft angestellt...“ und lies diese subtile Macht auf ihn einwirken. Und tatsächlich, es half! Endlich konnte der Geplagte wieder einschlafen und fand in süßen Träumen seine Erlösung.

 

Die Harmonisierung der Seele durch Stille Musik konnte aber nicht nur bei Schlafproblemen helfen! Die Bandbreite der therapeutischen Möglichkeiten war erstaunlich groß. So soll man damit sowohl Schnupfen als auch Wahnsinn behandelt haben. Oft wurden Melancholie und Depression mit der sehr tänzerischen und fröhlichen Lautenmusik geheilt.

 

Als Risiken und Nebenwirkungen muss hier allerdings erwähnt werden, dass es auch Lautenisten gab, die ihre Macht im negativen Sinne nutzten und sogar Könige zur Raserei bringen konnten (Siehe in ARCHIV DER ZITATE: Ein magisches Experiment).

 

Der österreichische Hoflautenist Ferdinand Ignaz Hinterleithner traut seiner Musik sogar paartherapeutsche Erfolge zu. Sie soll Paaren mit unterschiedlichen von ihm sehr romantisch beschriebenen Problemen zu einer erfüllten Beziehung verhelfen. Nebenwirkungen schließt er dabei aus: Die Heilerfolge wirken sich nur auf den EINEN Partner aus...

 

Tatsächlich haben wir schon selbst Berichte über Heilwirkungen unserer Musik erhalten. Oft wird uns nach Konzerten gesagt, man sei durch diese Klänge so angenehm „heruntergekommen“ oder z.B. Bauchschmerzen seien verschwunden. In den USA ist ein Kind zu meiner Bacheinspielung geboren worden, und selbst durfte ich schon „live“ eine Geburt musikalisch begleiten, was dazu führte, dass das Kind später mit meiner Musik von CDs beruhigt werden konnte. Konzertbesucher erzählen, dass sie mit unseren CDs Räume (atmosphärisch) reinigen und manchmal verschenkt man unsere CDs an ernsthaft Erkrankte (Krankenhauspatienten), die sich später dafür bedanken, dass die Musik sie geheilt hätte.

Auch wenn uns die Berichte über Musikheilung aus dem Alten Europa manchmal etwas abenteuerlich erscheinen mögen, etwas Wahres scheint doch dran zu sein...

 

© Lutz Kirchhof, Weilburg 2015